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Fleißige Biber

(engl.: busy beaver)

biber
von Christian Seise (2006)

Gliederung

  1. Fleißige Biber
    1. "Was sind fleißige Biber?"
    2. Auf "Biberjagd", oder: wie findet man fleißige Biber?
    3. Beispiele für fleißige Biber
  2. Radós Σ-Funktion
    1. Allgemeines über die Fkt
    2. Beweis der nicht-Berechenbarkeit

Was sind "fleißige Biber"?

Was sind "fleißige Biber"? (I)

Ein fleißiger Biber (engl. busy beaver)...

  • ist eine TM (Turingmaschine)
  • besitzt das Alphabet A = {0,1} und n Zustände
  • führt bei jedem Arbeitsschritt genau eine Links- oder Rechtsbewegung aus
  • soll so viele Einsen wie möglich auf ein leeres Band (gefüllt mit Nullen) schreiben
  • soll nach "getaner Arbeit" anhalten

Was sind "fleißige Biber"? (II)

  • Keine andere TM (Anz. Zustände gleich) soll mehr Einsen auf das Band schreiben.
  • Sind all diese Bedingungen erfüllt, dann nennt man diese Turingmaschine
    --> "Fleißiger Biber mit n Zuständen"

  • Ermals betrachtet von Tibor Radó seit 1962.
    Tibor Radó

Auf "Biberjagd"

Auf "Biberjagd" (I)

Wie findet man einen fleißigen Biber?

  • Es gibt keine schnelle Methode einen fleißigen Biber zu finden.
  • Einzige Möglichkeit:
    • Systematisches Erstellen und Prüfen aller TM mit n Zuständen
  • Schwierigkeiten:
    • Schon bei 5 Zuständen gibt es 63.403.380.965.376 mögliche Turingmaschinen
    • Man weiß nicht, wie lange man warten soll (hält die TM an?)
    • Zeitaufwand groß

Beispiele für fleißige Biber

Beispiele für fleißige Biber (I)

Biber1: Biber2:
Biber3:
(Für JFLAP-Dateien auf Bilder klicken!)

Radós Σ-Funktion

Radós Σ-Funktion (I)

Definition:
Die Funktion Σ(n) bezeichnet die maximale Anzahl an Einsen, die ein fleißiger Biber mit genau n Zuständen erzeugen kann.

Funktionswerte:
n Σ(n)
1 1
2 4
3 6
4 13
5 ≥4098
6 ≥1,29⋅10865

Radós Σ-Funktion (II)

  • Eigenschaften:
    • Es sind nur die ersten 4 Werte der Funktion sicher bekannt
    • Die Σ-Funktion wächst immens schnell
    • Die Σ-Funktion ist monoton, d.h. wenn n<k, dann ist auch Σ(n)<Σ(k)

Satz:
Σ(n) ist nicht TM-berechenbar
  • Das heißt es gibt keine TM, die für alle n∈ N (nach endlich vielen Schritten) Σ(n) berechnen kann.

Radós Σ-Funktion (III)

Beweisführung (nach Dr. Becker):

Vorraussetzung:
  • Monotonie von Σ (Σ(n)<Σ(n+1) ∀ n ∈ N)
  • Σ(n) ≥ n ∀ n ∈ N.

Annahme:
  • Es existiere eine (fiktive) Turingmaschine TΣ, die Σ(n) berechnen kann.
  • Weiterhin sei die Anzahl der Zustände von TΣ k.

Radós Σ-Funktion (IV)

Zu zeigen:
Es gibt eine TM Tn mit n Zuständen, die eine Baumstammreihe der Länge n erzeugt:

Lösung: Tn
Download:tn.jff

Radós Σ-Funktion (V)

Zu zeigen:
Es gibt eine TM T7 mit 7 Zuständen, die eine gegebene Baumstammreihe verdoppelt.
Lösung: T5
Download:t7.jff

Radós Σ-Funktion (VI)

Nun wird die (fiktive) Verknüpfung der Maschinen Tn,7,Σ erzeugt:
Lösung (nur Tn,7):tn7
Download:tn7.jff

Radós Σ-Funktion (VII)

Das heißt also die verknüpfte TM:
  • erzeugt zunächst eine Baumstammreihe der Länge 2n
  • und berechnet anschließend Σ(2n)
Merke: Anzahl der Zustände: n+7+k.

Vergleich unserer TM Tn,7,Σ mit einem fleißigen Biber TFB(n+7+k) mit n+7+k Zuständen:
  • Tn,7,Σ hat n+7+k Zustände und erzeugt Σ(2n) Baumst.
  • TFB(n+7+k) hat n+7+k Zustände und erzeugt Σ(n+7+k) Baumst.

Radós Σ-Funktion (VIII)

Ein Biber mit n Zuständen erzeugt die max. mögliche Anz. an Einsen: -->
Σ(n+7+k) ≥ Σ(2n)

Wählen von n = 2(7+k):
  • n+7+k = 3(7+k) und
  • 2n = 4(7+k)

--> 3(7+k) &lt 4(7+k) und damit folgt aus der Monotonie von Σ:

Σ(3(7+k)) < Σ(4(7+k)) und damit Σ(n+7+k) < Σ(2n).
Widerspruch! --> Die Annahme ist falsch.
Quellen